Marc Chagall
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| 1887 | geboren am 7. Juli in Witebsk |
| 1906 |
nach Abschluss der Gemeindeschule Lehrzeit bei dem Witebsker Maler Jehuda Pen |
| 1907-1910 |
Studium in St. Petersburg |
| 1910-1914 |
Übersiedlung nach Paris. Lernt zahlreiche Maler und Schriftsteller kennen |
| 1914 |
erste Einzelausstellung. Chagall kehrt nach Witebsk zurück |
| 1915 |
Ausstellung in Moskau. Heirat mit Bella, Übersiedlung nach St. Petersburg |
| 1916 |
Geburt der Tochter Ida |
| 1917 |
Rückkehr nach Witebsk |
| 1918 |
Ernennung zum Kommissar für die Schönen Künste im Gouvernement Witebsk |
| 1919 |
Gründung einer Akademie |
| 1920 |
Rücktritt von der Leitung der Akademie, Übersiedlung nach Moskau |
| 1922 |
Reise nach Berlin |
| 1923 |
Übersiedlung nach Paris. |
| 1926 |
erste Ausstellung in New York |
| 1931 |
Reise nach Palästina |
| 1932 |
Reise nach Holland, Studium Rembrandts |
| 1937 |
Französischer Staatsbürger |
| 1940 |
Übersiedlung nach Gordes (Provence) |
| 1941 |
Reise in die USA |
| 1944 |
stirbt seine Frau Bella |
| 1947 |
Rückkehr nach Paris |
| 1950 |
Chagall lässt sich in Vence nieder. |
| 1951 |
Reise nach Israel. |
| 1952 |
Heirat mit Valentina (Vava) Brodsky |
| 1954 |
Zweite Griechenlandreise |
| 1958 |
Reise nach Chicago |
| 1964 |
Reise nach New York. |
| 1966 |
Übersiedlung nach Saint-Paul-de-Vence |
| 1973 |
Besuch in Moskau und Leningrad |
| 1985 |
Chagall stirbt am 28. März |
Ein Zufall, der dem jungen Marc Chagall begegnete, wurde für Leben und Kunst dieses einzigartigen Malers bestimmend.
Als er eines Tages in der weißrussischen Stadt Witebsk, wo er 1889 geboren worden war, eine Freundin besuchte, klopfte jemand an die Tür; dann erklang eine Mädchenstimme, „eine singende Stimme, die aus einer anderen Welt zu kommen“ schien. Zu sehen bekam Chagall das Mädchen da noch nicht; als er Bella aber einige Stunden später bei einem Spaziergang kennen lernte, sagte er: „Es ist, als ob sie mich schon immer gekannt hätte, als ob sie alles wüsste über meine Kindheit, meine Gegenwart, meine Zukunft auch; als ob sie mich durchschaute, mein Innerstes erriete, wenn ich sie auch zum erstenmal sehe. Ich fühle, das hier ist meine Frau.“
Von da an wurde beinahe jedes Bild, das Chagall malte, zu einem Hymnus auf Frauentum und Mutterschaft. Zunächst mögen einen diese Gemälde verwirrend phantastisch anmuten, denn da stehen Paare auf dem Kopf, schweben durch die Luft, schmiegen sich ins Laub der Bäume, während andere Gestalten auf einem Horn blasend daherkommen oder auf einer Geige spielend auf Dachgiebeln reiten. Vögel, Vierfüßler und sogar Fische haben teil an dieser Lebensfreude. Bella erkannte in den Bildern die Begeisterung, die Chagall ergriffen hatte; und ebenso erkannte sie, dass dieser breitschultrige, schwarzgelockte Bursche mit den sprühend blauen Augen ein begnadeter Dichter war.
Damals, zu Beginn des Jahrhunderts, war Marc Chagall nur ein kleiner Niemand aus dem Judenviertel von Witebsk. Sein Vater arbeitete im Lager eines Heringsgroßhändlers, während seine Mutter ein Krämerlädchen betrieb, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Beide waren, wie Bellas Eltern auch, gegen eine Heirat der jungen Leute. Als mittelloser Maler konnte Chagall keine Frau ernähren. Da er jedoch fest entschlossen war, das dazu nötige Geld mit seiner Malerei zu verdienen, verließ er im Jahre 1910 die Heimat und fuhr nach Paris.
Vier Jahre später kehrte er nach Russland zurück, um Bella zu besuchen; während seines Aufenthaltes erklärte Deutschland den Russen den Krieg. Chagall blieb in der Heimat und heiratete Bella ein Jahr später, nachdem beide Elternpaare endlich ihre Einwilligung gegeben hatten. Auf den Krieg folgten die Revolution und die Herrschaft der Kommunisten, die Chagalls Können ihren politischen Zwecken dienstbar zu machen suchten. Da das misslang, ernannten sie ihn zum Kunstleiter in einer der neu gegründeten Kriegswaisenkolonien. Für Marc und Bella Chagall brach damit eine Zeit der Armut an.
1923 gelang es ihnen, wieder nach Paris zu kommen; dort stellte sich heraus, dass Chagall unterdessen berühmt geworden war. Bilder, die er 1914 bei Freunden in Holland und Deutschland zurückgelassen hatte, wurden in vielen Ländern von der Kritik gepriesen. Chagall fing von neuem zu malen. Jede Einzelheit der damaligen Arbeiten spiegelt Chagalls Fröhlichkeit wider. Die Farben leuchten in allen Tönen des Regenbogens; Bäume erblühen in exotischer Pracht; ein Pferd spielt Geige; in einem goldenen Nest liegt ein Hühnerei; eine Kuh springt über das Dach eines Bauernhauses.
Chagall wird ungehalten, wenn man diese Bilder Phantasien oder Märchen nennt. Für ihn sind sie Gestalt gewordenes Gefühl. Er sagt: „Die innere Welt ist vielleicht wirklicher als die sichtbare äußere.“ Die springende Kuh, das musizierende Pferd, die eierlegende Henne verkörpern den uralten Menschheitstraum von häuslichem Glück.
Die Chagalls lebten noch in Paris, als im Zweiten Weltkrieg der Feind ins Land drang. Sie flohen und fanden in den Vereinigten Staaten ein Obdach. Unter die Bilder des Glücks mischten sich nun Darstellungen des Gekreuzigten und der Leiden des Krieges. 1944 erkrankte Bella plötzlich und starb; ihr Tod stürzte Chagall in tiefe Trauer. Schließlich kehrte er nach Frankreich zurück, wo er eine neue Ehe einging und sich in neuen Bildern wieder der Heiterkeit seiner bunten, schwerelosen Welt zuwandte.
Hier widmete er sich auch erneut einer schon fünfundzwanzig Jahre zuvor in Angriff genommenen gewaltigen Aufgabe: die Bibel mit Radierungen zu illustrieren. Während der deutschen Besetzung hatte ein ihm treuergebener Graphiker die Platten, die Chagall damals schon vollendet hatte, bei sich versteckt. „Es muss singen, muss jauchzen! Es ist die Bibel!“ mahnte der Künstler seinen Drucker jetzt. Als das Werk 1956 veröffentlicht wurde, stellte es Chagall nicht nur in die vorderste Reihe der modernen Graphiker, sondern zeigte zugleich seine tiefe Liebe zum Göttlichen.
Zu seinen letzten Werken gehören die zwölf Glasfenster für die Synagoge einer großen Klinik bei Jerusalem. Weitere bedeutende Arbeiten sind zwei Wandgemälde im Foyer der neuen „Met“ in New York und das Deckengemälde der Pariser Oper. Sie bezeugen, dass Chagall in seiner Kunst das Leben selber preist.
© 1997 Eva Schäfer
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