Biographie
Magrittes
Lebenslauf:
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geboren am
21. November 1898 in Lessines in Belgien |
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verbrachte
bis auf einen kurzen Aufenthalt in Frankreich fast sein ganzes Leben
in Brüssel |
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arbeitete
kurze Zeit als Musterzeichner in einer Tapetenfabrik (in seinen
Bildern tauchen häufig Tapetenmuster auf) |
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führte 25
Jahre lang ein kleinbürgerliches biederes Leben, frei von jeder äußerlichen
Dynamik |
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lebte zurückgezogen,
beinahe anonym |
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unternahm
keine größeren Reisen und keinen Ortswechsel |
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war von den
Uffizien in Florenz wenig begeistert („Nicht übel, aber auf
Ansichtskarten ist das besser“) |
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brauchte
keine Ferne, die Nähe genügte ihm vollkommen |
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gestorben am
15. August 1967 in Brüssel |
künstlerisches Schaffen:
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keine
Sensation, sondern eine gewisse unbeirrbare Konsequenz brachte ihn in
seiner künstlerischen Entwicklung weiter |
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er war von
Anfang an in die künstlerische Strömung des Surrealismus (Zentren:
Brüssel und Paris) eingebunden |
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er war einer
der bedeutendsten Vertreter des veristischen Surrealismus (=
naturalistische Darstellung nicht zusammengehöriger Dinge oder Formen
im perspektivischen Raum) |
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seit 1920
bzw. 1926 enger Kontakt mit belgischen bzw. französischen
Surrealisten |
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entscheidendes
Erlebnis für seine künstlerische Entwicklung war 1920 die Begegnung
mit dem Bild „Das Liebeslied“ von Giorgio de Chirico |
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seitdem
Beeinflussung von Giorgio de Chirico („Chirico war der erste, der
davon geträumt hat, was zu malen ist und nicht wie
gemalt werden soll.“) |
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Thema seiner
Werke: banale Dinge des Alltags, naturalistisch im Detail, durch
irreale Zusammenfügungen verfremdet und in neue Zusammenhänge
gestellt |
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er malte kühl
und kontinuierlich wie ein Wissenschaftler |
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seine Werke
waren Tafel- und Wandbilder, Collagen, Photographien und auch
Skulpturen |
Bildbetrachtung:
Die persönlichen Werte (Les valeurs personelles)
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entstanden
1952 |
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Öl auf
Leinwand, 81 x 100 cm |
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Standort in
New York, Sammlung von Harry Torcyner |
gegenständliche Darstellung:
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Darstellung
von übergroßen Gegenständen (Kamm, Rasierpinsel, Seife, Weinglas
und Zündholz) in winziger Umgebung, einer Art Puppenstube
(Schlafzimmer mit Doppelbett, Spiegelschrank und zwei Perserteppichen) |
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Hintergrund:
Himmelstapete |
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offen, ob
Umgebung winzig oder Gegenstände riesig sind, Himmelstapete stimmt
mit keinem überein |
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unstimmige
Gegenstände sind in bühnenartigen Raum hineingestellt |
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unten:
Riemenboden |
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oben: etwas
rissige Stuckdecke |
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in rechtem Flügel
des Spiegelschranks wird ein Fenster gespiegelt |
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Gegenstände
sind in unheimlicher Ordentlichkeit aufgebaut, wie Stillleben |
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Objekte
werden wie Akteure auf einer Bühne dargestellt:
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Kamm
lehnt riesig, auf dem Bettchen stehend, in der linken Zimmerecke |
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Rasierpinsel
liegt schräg auf dem kleinen Schrank |
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Weinglas,
Seife und liegendes Zündholz bilden vorne rechts eine
Dreiergruppe |
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=> Gespräch zwischen den ungleichen Beteiligten vorstellbar
Form und Fläche:
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linear
geschlossene Konturenform |
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ausgefüllte
Flächenform |
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hervorragende
präzise Wiedergabe der einzelnen Materialien der Gegenstände: der
beinerne Kamm, der duftige Borstenpinsel, das hart reflektierende
Glas, die Holzmaserung der Möbel, die Teppiche und die wattigen
Wolken (wie holländische Augentäuschmalerei des 17. Jhdts.) |
=>
unglaublich geduldige Malerei
Licht:
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Beleuchtung
der Gegenstände von rechts außerhalb des Bildes durch gespiegeltes
Fenster im rechten Flügel des Spiegelschranks |
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Schlagschatten
nach hinten links |
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„toter
Winkel“ rechts hinten |
Farben:
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präzise
und sachliche Farben |
=>
unterstreichen Objektivität und freundliche Stimmung
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braunrote
Töne der Hölzer, der Bettdecke und des Bodens zusammen mit dem Rosa
der Seife und des Streichholzes ergeben einen angenehmen Zusammenklang
mit dem Himmelblau der Tapete, dem Grünblau des Glases, dem Weiß von
Bettwäsche, Wolken und Fenstergardine und dem Rot der Übergardine |
Raum:
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Fluchtlinien
des symmetrischen Raums laufen in der Bildmitte in einem Fluchtpunkt
zusammen |
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räumliche
Verhältnisse stimmen jedoch nur teilweise:
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Wände
verlieren durch die Himmelstapete ihre raumabschließende Wirkung |
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Tapete
ist in der Schranktür gespiegelt: sie zieht sich auch über die
Wand auf der Gegenseite beim Betrachter hin |
=> schwer vorstellbar
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Betrachterstandpunkt:
horizontal und vertikal zentriert |
Interpretation:
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Bild
besticht sofort durch seine faszinierende Präzision |
=>
wirkt dadurch vollkommen selbstverständlich
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aber:
Unstimmigkeit: eigentlich handliche Gegenstände übergroß in
winziger Umgebung |
=> Irritation, wofür man sich
entscheiden soll: Gegenstände riesig oder
Umgebung winzig; Himmelstapete passt zu keinem
=> Absicht des Künstlers: doppelbödige Bildidee:
Bild als Falle, dahinter der Maler als ironisch lächelnder
Fallensteller
Entstehung:
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simpler
Gedankengang, von einer alltäglichen Situation ausgehend: |
man
kommt heim, wirft einen Blick ins Schlafzimmer, sieht diese Szene und
plötzlich
stimmt nichts mehr
=>
Schock; aber Milderung: Guckkastenbühne wirkt in ihrer Isoliertheit sehr
distanziert
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der
Einfall, die Bildidee kann spontan oder wohlüberlegt gewesen sein |
Malweise:
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langsame
und akribische Verwirklichung |
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wissenschaftliche
Erfassung eines Augenblicks |
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Gewohntes
und auch eingebaute Überraschung müssen überzeugend genau sein: |
=>
für Magritte nur diese Möglichkeit der Verwirklichung („Für mich ist
es das
Wesentliche, zu wissen, was ich malen muss. Das Wie besteht nur
darin,
korrekt zu malen, was ich malen muss.“)
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bezeichnet
seine Malweise selbst als „ganz und gar banal und akademisch“ |
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benutzt
vollkommen objektive Bildschrift, vorsätzliche Nüchternheit in der
Erfassung der Dinge (wie Maler der sog. „Neuen Sachlichkeit“, der
anderen wichtigen Strömung in der Kunst nach dem 1. Weltkrieg neben
dem Surrealismus) |
Thematik:
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nahtlose
Kombination von Versatzstücken in völlig unlogischer, ungewohnter
Weise |
=>
Zusammenhang mit Dadaismus
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mit
geradezu wissenschaftlicher Unerbittlichkeit stellt er den Glauben an
die Realität in Frage |
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er
sagt somit der Realität den Kampf an |
=>
Provokation bürgerlicher Normalität
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Magritte
malt seine ganz speziellen poetisch-philosophischen „Mysterien“
(„Die Malerei ist eine Kunst des Denkens“) |
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nicht
überraschend, dass man ihn immer wieder als malenden Philosophen
bezeichnet hat |
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in
Abhandlungen über seine Werksphasen heißt es:
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„Die
Welt wird zum verwirrenden Theater“ |
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„Alltägliches
fügt sich zum Geheimnis“ |
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„Trügerische
Darstellung des Sichtbaren“ |
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„Wenn
der Betrachter findet, dass meine Bilder dem gesunden Menschenverstand
Hohn sprechen, wird er sich einer offensichtlichen Tatsache bewusst.
Ich möchte aber trotzdem hinzufügen, dass für mich die Welt ein
Hohn auf den gesunden Menschenverstand ist.“ |
Titel:
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abgesehen
von der irritierenden Szenerie noch einigermaßen fassbar (im
Vergleich zu seinen anderen Bildern), wenn auch nicht gerade hilfreich
im Sinne einer verständlichen Logik |
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starke
Provokation und Widersprüchlichkeit beim Vergleich von Bildtitel und
Dargestelltem |
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„
... die Titel der Bilder sind keine Erklärungen und die Bilder keine
Illustrationen der Titel. Die Beziehung zwischen dem Bild und dem
Titel ist poetisch, das heißt, dass diese Beziehung nur gewisse
Charakteristika von den Gegenständen festhält, die gewöhnlich von
unserem Bewusstsein ignoriert werden ...“ |
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„Die
Titel meiner Bilder sind ein Anlass für Gespräche ... die Titel sind
so gewählt, dass sie verhindern, meine Bilder in einem vertrauten
Raum anzusiedeln. Das wäre der automatische Ablauf des Denkens und
die Reichweite meiner Bilder würde dadurch unterschätzt. Die Titel müssen
aber ein zusätzlicher Schutz sein für die Bilder, der verhindert,
dass man versucht, ihre wahre Poesie auf ein folgendes Spiel zu
reduzieren ... der Titel eines Gemäldes ist ein aus Worten gemachtes
Bild ... Titel und Gemälde bereichern und präzisieren das Denken
...“ |
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Titel
entstanden immer erst nach den Bildern |
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Titel
wurden manchmal von Freunden erfunden und auf Magrittes Entscheidung
hin akzeptiert oder abgelehnt |
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manchmal
waren mehrere Personen am Titel beteiligt |
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