Pfarrkirche St. Michael in Sonthofen

 

Geschichte:
Sonthofen gilt als eine der Allgäuer Urpfarreien. Die älteste Kirche wird wie die sie umgebenden Höfe in Sonthofen aus Holz erbaut worden sein. Dies ist um so wahrscheinlicher, als in einem im Pfarrarchiv befindlichen Lehenbuch steht, dass am 11. September 1449 die Kirche, die Frauenkapelle und der Pfarrhof mit allen zugehörigen Gebäuden vollständig bis auf den Grund nieder brannten, was wohl kaum der Fall gewesen wäre, wenn diese kirchlichen Gebäude damals schon aus Stein gebaut gewesen wären. Die Kirche und die Frauenkapelle wurden schon in den nächsten Jahren wieder aufgebaut, diesmal vermutlich in Stein. Die in einen Quaderstein eingelassene Jahreszahl I488 bezieht sich nicht auf die Erbauung der neuen Pfarrkirche, sondern zeigt eine Verlängerung des neuerbauten Kirchenschiffes in der Nordwestecke an, an der sich auch der Quaderstein befindet. Dies deutet darauf hin, dass die neue Kirche in Stein erbaut wurde.

Die zweite Vernichtung durch Feuer geschah durch eine Brandstiftung vom 26. Juni I540, die angeblich der Landsknechtshauptmann Jörg Schnaiter wegen seiner Fehde mit dem Markt Sonthofen veranlasst hat. Auch der Pfarrhof und 16 Häuser fielen damals dem Feuer zum Opfer.

Die dritte und wohl furchtbarste Katastrophe war, als am 29. April 1945 ein Bombenvolltreffer den Großteil der Kirche während des Gottesdienstes zerstörte. Wie durch ein Wunder wurden in der vollbesetzten Kirche keine Menschen dabei tödlich verletzt. Von der Kirchenausstattung konnten einzelne Figuren der Seitenaltäre St. Sebastian und St. Anna gerettet werden. 1946 wurde das Dach der Kirche bereits wieder eingedeckt, 1947 wurden die beiden Glocken aus dem Schutt der Kirche geborgen, 1955 war die Kirche im wesentlichen wieder aufgebaut. Den Abschluss fand der Wiederaufbau durch die Wiederherstellung der beiden Seitenaltäre im Jahr 1962 in ihrer ursprünglichen Form.

Baubeschreibung:
Die älteste Bauart, auf welche die Kirche nach den Bränden von 1449 und I540 zurückreicht, ist die der Frührenaissance. Die Kirche enthielt damals 6 Altäre. Davon ist nichts mehr außer den Umfassungsmauern erhalten. Chor, Langhaus und Empore erhielten im Verlaufe der Jahrhunderte zahlreiche Erweiterungen und Veränderungen innen und außen. Am 2. September 1606 traf ein Blitz den Turm, der deshalb abgetragen und neu gedeckt werden musste. Im Jahr 1620 wurde der Kirche ein neuer Hochaltar gestiftet.

Der Baustil, der das Innere ganz wesentlich verändert hat, ist das aus Italien zu uns gekommene Barock des I7. und 18. Jahrhunderts, das durch seinen Prunk und Glanz gekennzeichnet ist, oft auch durch seine Überladung mit Stuck und seine Vergoldung der Altäre und Heiligenfiguren. 1738 wurde der Chor neu erbaut, ein Ziegeldach wurde errichtet. 1741 wurde das Langhaus erweitert. 1742 schließlich wurde ein Deckengemälde erstellt. 1746 folgt eine neue Orgel, 1765 eine prachtvolle Kanzel. 1770 werden die beiden Seitenaltäre errichtet mit den Heiligen Blasius und Erasmus, Afra und Agatha. 1791 folgen noch 2 Choraltäre, so dass die Kirche wieder 5 Altäre besitzt.

Heute befinden sich in der Kirche nur noch der Hochaltar zu Ehren des hl. Michael und die beiden Seitenaltäre zu Ehren der Heiligen Sebastian und Anna. Der Hochaltar mit sechs Säulen wird beherrscht von den Kirchenvätern Ambrosius, Gregor, Augustinus und Hieronymus. Im rechten Seitenaltar befindet sich eine Holzfigur (um 1500), die Maria mit Strahlenkranz und Lilie darstellt. 1985 wurde eine neue Orgel mit 43 Registern eingebaut, und in den Jahren 1988 bis 1991 wurden schließlich die bis dahin noch fehlenden Deckenfresken gemalt.

© 1996 Eva Schäfer

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