Diego Rodriguez de Silva y Velazquez
(6.6.1599 - 7.8.1660)

 

Velazquez war Schüler seines Schwiegervaters Francisco Pacheco und malte in seiner Frühzeit Stilleben und Volkstypen in kräftigen Helldunkelwirkungen, bereits mit jenem Realismus und zugleich Sinn für die Kostbarkeit der Farbe, die für sein ganzes Schaffen bestimmend blieben: das Frühstück, die alte Köchin, Christus im Haus der Martha. 1623 wurde er an den Madrider Hof berufen und zum Hofmaler ernannt. Der König saß und stand ihm nicht nur selber häufig Modell, sondern nötigte auch seine Familienangehörigen und den Hof - von den Ministern bis zu den Narren und Zwergen -, sich von dem Künstler verewigen zu lassen. Velazquez erhielt ein Atelier im königlichen Palast und verbrachte dort und in der näheren Umgebung den größten Teil seines weiteren Lebens. Es entstanden Bildnisse und am Schluss dieser Madrider Frühzeit „Die Trinker“, ein erstes großes Werk, das im wesentlichen noch zu der Gruppe der Schilderungen aus dem Volksleben gehört. Zwei wichtige Einflüsse förderten seine Reifung. Rubens, damals der berühmteste Maler der Welt, besuchte Madrid im Jahr 1628: Er beeindruckte Velazquez tief und riet ihm, nach Italien zu reisen und die dortigen Meister der Farbe zu studieren. Velazquez bat den König um Urlaub und erhielt ihn auch. Auf dieser Reise nach Italien (1629-31) lernte Velazquez in Venedig und Rom die Werke Tizians und Tintorettos kennen und kaufte im Auftrag seines Königs Bilder dieser Meister. Nun malt er weicher und leichter. Nach seiner Rückkehr entstanden „Die Schmiede des Vulkan“ und „Jakob erhält den blutigen Rock“. In der nun folgenden Periode bis etwa 1649 wächst Velazquez zu einem der größten Bildnismaler aller Zeiten heran. Immer wieder hat er die Mitglieder der königlichen Familie und ihres Hofstaats porträtiert, so, dass das Königliche und Repräsentative beherrschend bleibt, aber doch wenig an Charakterisierung des Persönlichen verloren geht. Hauptwerk dieser Zeit ist „Die Übergabe von Breda“. Eine spanische Besonderheit sind die Bildnisse der dem Hofe zur Belustigung dienenden Narren und Zwerge. Hier war Velazquez frei von jeder Rücksicht auf Repräsentation und konnte die Schärfe seines Charakterisierungsvermögens voll zur Geltung bringen. 1649 finanzierte der König, um den Maler für sechsundzwanzig Jahre fleißiger Arbeit zu belohnen, ihm eine zweite Reise nach Italien. Auf dieser zweiten Reise (1649 bis 1651) malte Velazquez Papst Innozenz X., dessen hässliche und drohende Züge mit unbarmherzigem Realismus wiedergegeben sind. Als der Maler 1651 Italien wieder verließ, war er kein Schüler mehr, der die alten Meister suchte, sondern selbst der anerkannte Meister seiner Zeit. In Madrid beging er dann jedoch den größten Irrtum seines Lebens: Er bewarb sich um den Posten des „Aposentador del Rey“, des Königlichen Haushofmeisters, und erhielt ihn. Das Amt verlangte die Aufsicht über Ordnung und Ausstattung der Palasträume; bei Hofbällen, Schauspielen und Turnieren hatte Velazquez die nötigen Vorkehrungen zu treffen, bei Rundfahrten des Königs Quartier für den Hof zu machen und bei größeren Reisen Seine Majestät zu begleiten. In den acht ihm noch verbleibenden Lebensjahren widmete er sich der Malerei nur noch in den freien Stunden. Die letzte Schaffenszeit brachte eine neue schöpferische Wendung. Er begann wieder, die königliche Familie, den König selbst und hervorragende Edelleute zu porträtieren. Von der Infantin Margarita malte er drei reizende Bilder und stellte sie dann noch einmal in den Mittelpunkt eines seiner Meisterwerke, des Bildes „Las Meninas“ (Die Edelfräulein, 1656): Dienerschaft, eine Zwergin und ein Hund sind um die Prinzessin versammelt, links ist Velazquez selbst zu sehen, der an einer mächtigen Leinwand steht und das Königspaar porträtiert, das hinter ihm in einem Spiegel erkennbar ist. Das Selbstbildnis zeigt einen Mann mit vollem, dunklem Haar, stolzem Bart und etwas umdüsterten Augen. Die Pinselführung ist in den Prinzessinnenbildnissen ganz leicht und impressionistisch geworden. Sein Tod war die Folge seines Amtes. Im Frühling 1660 arrangierte er die Festlichkeiten, die anlässlich der Verlobung der Infantin Maria Teresa mit Ludwig XIV. von Frankreich stattfinden sollten. Mit Pflichten überlastet, kehrte er in die Hauptstadt zurück. Am 31. Juli musste er sich mit einem Wechselfieber ins Bett legen; am 6. August gab er, nach den Worten eines Biographen, „am Fest der Verklärung Christi seine Seele Gott zurück“. Das Gesamtwerk des Velazquez ist seinem Inhalt nach wesentlich dadurch bestimmt worden, dass er in erster Linie für die Bedürfnisse des Hofes zu arbeiten hatte. Reine Landschaften hat er nur ganz wenige gemalt, und auch in seinen großen Bildnissen im Freien (bes. Reiterbildnissen) ist die Landschaft den Figuren untergeordnet. Velazquez, den man in Spanien stets als den größten einheimischen Maler gefeiert hat, war im Ausland lange Zeit so gut wie unbekannt. Manet und die Impressionisten sahen in ihm jedoch ihren Vorläufer auf dem Gebiet der Wiedergabe des Lichtes.

© 1999 Eva Schäfer

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